Taubheitsgefühl und Kribbeln in der Hand

Taubheitsgefühl und Kribbeln in der Hand können durch Nervenkompression, Verletzungen, die Halswirbelsäule oder systemische Erkrankungen entstehen.

Taubheitsgefühl und Kribbeln in der Hand sind Empfindungsstörungen, die sich wie Ameisenlaufen, Brennen, Nadelstiche, verminderte Sensibilität oder eine „eingeschlafene Hand” anfühlen können. Die Beschwerden können die gesamte Hand, nur eine Seite der Hand oder einzelne Finger betreffen. Manchmal sind sie vorübergehend und positionsbedingt. Sie können jedoch auch anhalten, wenn ein Nerv komprimiert, gereizt oder geschädigt ist.

Die genaue Verteilung der Beschwerden kann wichtige Hinweise liefern. Kribbeln im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und in einem Teil des Ringfingers steht häufig mit dem Medianusnerv in Verbindung. Beschwerden im kleinen Finger und in der angrenzenden Hälfte des Ringfingers können den Ulnarisnerv betreffen. Empfindungsstörungen auf dem Handrücken in der Nähe des Daumens können mit dem Radialisnerv zusammenhängen. Das Muster ist jedoch nicht immer eindeutig, da die Ursache auch in der Halswirbelsäule, im Armnervengeflecht, in der Durchblutung oder in einer systemischen Erkrankung liegen kann.

Wie sich Taubheit und Kribbeln in der Hand anfühlen können

Manche Menschen bemerken ein leichtes Kribbeln, nachdem sie auf dem Arm geschlafen oder Ellenbogen und Handgelenk längere Zeit in derselben Position gehalten haben. Andere wachen nachts auf, weil mehrere Finger taub, schmerzhaft oder steif sind. Beschwerden können beim Autofahren, Telefonieren, Tippen, Radfahren, Arbeiten mit Werkzeugen oder bei wiederholten Handbewegungen auftreten.

Zusätzlich können folgende Beschwerden auftreten:

  • Brennen, elektrische oder einschießende Empfindungen
  • Schmerzen in Fingern, Handfläche, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen oder Nacken
  • verminderte Wahrnehmung von Berührung, Temperatur oder Druck
  • Schwäche der Hand oder nachlassende Griffkraft
  • Probleme beim Schreiben, Zuknöpfen von Kleidung oder Greifen kleiner Gegenstände
  • unbeabsichtigtes Fallenlassen von Gegenständen
  • Steifigkeit, Schwellung oder Farbveränderungen der Hand
  • nächtliche oder positionsabhängige Verschlechterung

Dauer und Verteilung der Symptome sind entscheidend. Ein kurzes Kribbeln nach Druck auf den Arm unterscheidet sich von einer Taubheit, die regelmäßig den Schlaf unterbricht, sich allmählich ausbreitet, Schwäche verursacht oder tagsüber bestehen bleibt.

Häufige Ursachen von Taubheitsgefühl und Kribbeln

Kompression des Medianusnervs

Der Medianusnerv verläuft durch einen engen Raum im Handgelenk, den Karpaltunnel. Druck auf den Nerv kann ein Karpaltunnelsyndrom verursachen. Typisch sind Taubheit, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und in einem Teil des Ringfingers. Die Beschwerden verstärken sich häufig nachts, beim Autofahren oder bei Tätigkeiten, bei denen das Handgelenk längere Zeit gebeugt bleibt. Eine ausgeprägtere Kompression kann die Kraft des Daumens, das Greifen und die Feinmotorik beeinträchtigen.

Kompression des Ulnarisnervs

Der Ulnarisnerv kann am Ellenbogen im Kubitaltunnel oder am Handgelenk in der Guyon-Loge eingeengt werden. Dies führt häufig zu Kribbeln oder Taubheit im kleinen Finger und in der angrenzenden Hälfte des Ringfingers. Die Beschwerden können sich verstärken, wenn der Ellenbogen längere Zeit gebeugt bleibt, wenn man sich darauf abstützt oder wenn beim Radfahren oder Arbeiten mit Werkzeugen Druck auf die Handfläche ausgeübt wird.

Eine länger bestehende Kompression kann die kleinen Handmuskeln beeinträchtigen, die das Spreizen der Finger, den Pinzettengriff und präzise Bewegungen steuern. Betroffene bemerken möglicherweise Probleme beim Halten eines Schlüssels, Öffnen einer Verpackung oder festen Greifen eines Gegenstands.

Reizung oder Verletzung des Radialisnervs

Der Radialisnerv vermittelt die Sensibilität in einem Teil des Handrückens und steuert Muskeln, die Handgelenk und Finger strecken. Er kann am Oberarm, Unterarm oder Handgelenk komprimiert oder verletzt werden. Empfindungsstörungen können den Handrücken in der Nähe des Daumens betreffen. Einige Erkrankungen des Radialisnervs verursachen jedoch eher Schmerzen oder Schwäche als Taubheit. Schwierigkeiten beim Anheben des Handgelenks oder Strecken der Finger sollten ärztlich abgeklärt werden.

Nervenreizung ausgehend von der Halswirbelsäule

Eine gereizte oder eingeengte Nervenwurzel in der Halswirbelsäule kann Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Schwäche verursachen, die vom Nacken oder von der Schulter in den Arm und die Hand ausstrahlen. Das Muster kann einer lokalen Nerveneinengung am Handgelenk oder Ellenbogen ähneln. Nackenschmerzen, Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Beschwerden bei Nackenbewegungen oder Schwäche mehrerer Muskelgruppen können auf eine Ursache an der Halswirbelsäule hinweisen.

Verletzungen, Schwellungen und strukturelle Veränderungen

Frakturen, Verrenkungen, tiefe Schnittverletzungen, Sehnenverletzungen, Narbengewebe, Entzündungen oder Schwellungen können einen Nerv unter Druck setzen oder direkt schädigen. Ganglionzysten und andere Veränderungen im Bereich von Hand und Handgelenk können ebenfalls zu einer lokalen Kompression führen. Nach einer Verletzung auftretende Beschwerden sollten entsprechend ihrer Schwere beurteilt werden, besonders wenn Sensibilität oder Beweglichkeit deutlich eingeschränkt sind.

Periphere Neuropathie und systemische Erkrankungen

Wenn beide Hände, zahlreiche Finger oder weitere Körperregionen betroffen sind, kann eine umfassendere periphere Neuropathie und nicht nur ein einzelner eingeengter Nerv vorliegen. Mögliche Faktoren sind Diabetes, Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, übermäßiger Alkoholkonsum, entzündliche oder autoimmune Erkrankungen und bestimmte Medikamente. Zur Abklärung können Blutuntersuchungen und eine Beurteilung der gesamten Krankengeschichte erforderlich sein.

Durchblutung und Kälteeinwirkung

Eine verminderte Durchblutung oder eine starke Kälteempfindlichkeit kann Taubheit, Kribbeln sowie Veränderungen von Farbe und Temperatur der Finger verursachen. Die Finger können bei Kälte oder Stress blass, blau oder rot werden. Eine Hand, die plötzlich sehr kalt, blass, schmerzhaft oder schwer beweglich wird, muss dringend untersucht werden.

Begleitsymptome beeinflussen die weitere Diagnostik

Die betroffenen Finger, die Seite der Hand und auslösende Tätigkeiten helfen, mögliche Ursachen voneinander abzugrenzen. Nächtliches Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger führt zu einer anderen Abklärung als Taubheit des kleinen Fingers bei gebeugtem Ellenbogen. Vom Nacken in den Arm ausstrahlende Beschwerden können eine Untersuchung der Halswirbelsäule erfordern. Symmetrische Beschwerden beider Hände können hingegen für eine periphere Neuropathie oder eine Stoffwechselerkrankung sprechen.

Schwäche ist besonders relevant. Schwierigkeiten beim Greifen, Spreizen der Finger, Bewegen des Daumens, Strecken des Handgelenks oder bei feinmotorischen Tätigkeiten können auf eine stärker ausgeprägte Nervenfunktionsstörung hindeuten. Ein sichtbarer Muskelabbau am Daumenballen oder zwischen den Mittelhandknochen sollte nicht ignoriert werden.

Wann Taubheitsgefühl in der Hand dringend abgeklärt werden muss

Sofortige medizinische Hilfe ist erforderlich, wenn die Taubheit plötzlich einsetzt und zusammen mit einseitiger Körperschwäche, einem herabhängenden Mundwinkel, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Sehverlust, starkem Schwindel oder plötzlichen heftigen Kopfschmerzen auftritt. Diese Beschwerden können mit einem Schlaganfall oder einer anderen akuten neurologischen Erkrankung zusammenhängen, auch wenn sie nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Eine dringende Untersuchung ist ebenfalls erforderlich, wenn die Taubheit:

  • nach einer schweren Verletzung, tiefen Schnittwunde, Fraktur oder Verrenkung auftritt
  • mit der Unfähigkeit verbunden ist, Handgelenk, Hand oder Finger zu bewegen
  • zusammen mit einer ungewöhnlich kalten, blassen oder blauen Hand auftritt
  • sich schnell verschlechtert oder am Arm nach oben ausbreitet
  • mit starken Nackenschmerzen, Gangunsicherheit oder Koordinationsverlust verbunden ist
  • von deutlicher Schwellung, Rötung, Fieber oder Infektionszeichen begleitet wird

Ein regulärer Arzttermin sollte vereinbart werden, wenn die Beschwerden bestehen bleiben, wiederholt den Schlaf stören, Arbeit oder Alltag beeinträchtigen oder mit zunehmendem Kraftverlust, eingeschränkter Geschicklichkeit oder Muskelabbau einhergehen.

Wie Taubheit und Kribbeln in der Hand diagnostiziert werden

Krankengeschichte und klinische Untersuchung

Zu Beginn wird geklärt, welche Finger betroffen sind, wann die Beschwerden begonnen haben und ob sie mit der Position von Handgelenk, Ellenbogen oder Nacken zusammenhängen. Der Arzt kann Hautsensibilität, Griffkraft, Fingerbewegungen, Reflexe, Durchblutung sowie Nacken, Schulter, Ellenbogen und Handgelenk untersuchen.

Bestimmte Untersuchungsmanöver können Beschwerden am Medianus- oder Ulnarisnerv auslösen. Ein einzelner klinischer Test kann jedoch nicht jede Ursache bestätigen. Das gesamte Beschwerdemuster, der körperliche Befund sowie frühere Verletzungen oder Erkrankungen sind aussagekräftiger als ein isolierter Test.

EMG und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit

Eine EMG und Nervenleitungsuntersuchung der oberen Extremitäten kann zeigen, ob ein Nerv normal funktioniert, wo sich eine Kompression oder Schädigung befindet und wie ausgeprägt die Veränderungen sind. Sie kann dabei helfen, eine Medianuskompression am Handgelenk, eine Ulnariskompression am Ellenbogen oder Handgelenk, eine zervikale Nervenwurzelstörung und eine umfassendere periphere Neuropathie zu unterscheiden.

Die elektrophysiologische Untersuchung ergänzt die klinische Beurteilung. Ob sie erforderlich ist, hängt von Verteilung, Dauer und Schwere der Beschwerden sowie von der geplanten Behandlung ab.

Bildgebung und Laboruntersuchungen

Ultraschall kann zur Beurteilung eines peripheren Nervs, einer Sehne, einer Zyste oder einer anderen oberflächlichen Struktur eingesetzt werden. Röntgenaufnahmen können nach Verletzungen oder bei Verdacht auf Knochen- und Gelenkveränderungen sinnvoll sein. Eine MRT kann erwogen werden, wenn der Befund auf die Halswirbelsäule, Weichteile oder tiefere Strukturen hinweist. Blutuntersuchungen können Diabetes, Vitaminmangel, Schilddrüsenstörungen, Entzündungen oder andere systemische Ursachen abklären.

Was der nächste Behandlungsschritt umfassen kann

Die Behandlung richtet sich danach, wo und warum ein Nerv beeinträchtigt ist. Vorübergehende positionsbedingte Beschwerden können nach Entlastung abklingen. Wiederkehrende oder anhaltende Symptome benötigen jedoch eine genauere Diagnose, bevor die Behandlung ausgewählt wird.

Je nach Befund können eine Anpassung belastender Tätigkeiten, ergonomische Veränderungen, eine Handgelenk- oder Ellenbogenschiene, Handtherapie, Physiotherapie, die Behandlung einer Grunderkrankung oder eine gezielte ärztlich verordnete Therapie infrage kommen. Bei bestimmten Kompressionsneuropathien können Injektionen oder eine operative Dekompression erwogen werden.

Bei anhaltenden Beschwerden, zunehmender Schwäche, Muskelabbau, traumatischer Nervenschädigung oder bestätigter schwerer Kompression kann eine Untersuchung im Bereich der Chirurgie und Behandlung von Erkrankungen des Ellenbogens, Unterarms und der Hand erforderlich sein. Eine Operation ist nicht in jedem Fall notwendig. Die Entscheidung hängt von der klinischen Untersuchung, elektrophysiologischen Befunden, der Dauer der Beschwerden und der funktionellen Einschränkung ab.

Was Sie vor einem Arzttermin vorbereiten sollten

Notieren Sie vor einer Anfrage oder Untersuchung, welche Hand und welche Finger betroffen sind, wann die Beschwerden begonnen haben und ob sie dauerhaft oder zeitweise auftreten. Hilfreich sind Angaben zu auslösenden Positionen und Tätigkeiten, nächtlichen Beschwerden, Nacken- oder Ellenbogenschmerzen, früheren Verletzungen, Schwäche, fallengelassenen Gegenständen, Farbveränderungen der Hand und ähnlichen Beschwerden an der anderen Hand oder an den Füßen.

Bringen Sie vorhandene EMG-Befunde, Bildgebung, Entlassungsberichte, Informationen zu Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen, eine Medikamentenliste und Angaben zu bisherigen Behandlungen mit. Wenn Taubheitsgefühl und Kribbeln anhalten, sich verschlechtern oder die Funktion der Hand beeinträchtigen, können Sie ZagrebMed eine Beschreibung der Beschwerden und vorhandene medizinische Unterlagen senden. ZagrebMed kann Ihnen helfen, eine geeignete Untersuchung, diagnostische Leistung oder Behandlung der Hand in Zagreb zu finden.