Unterbiss
Bei einem Unterbiss stehen die unteren Frontzähne beim Zubeißen vor den oberen. Erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung.
Bei einem Unterbiss stehen ein oder mehrere untere Frontzähne beim Zubeißen vor den oberen Frontzähnen. Manche Patienten bemerken dies vor allem an der Zahnstellung, andere durch Schwierigkeiten beim Abbeißen, ungleichmäßige Zahnkontakte, Zahnverschleiß oder eine Veränderung des Profils.
Unterbiss ist eine gut verständliche Bezeichnung für das sichtbare Bissverhältnis, beschreibt jedoch nicht automatisch eine bestimmte kieferorthopädische Diagnose. Die gleiche Stellung der Frontzähne kann durch die Position einzelner Zähne, eine funktionelle Vorverlagerung des Unterkiefers beim Schließen, das knöcherne Verhältnis zwischen Ober- und Unterkiefer oder durch eine Kombination dieser Faktoren entstehen. Ein Unterbiss ist deshalb nicht grundsätzlich mit einer skelettalen Klasse-III-Fehlstellung gleichzusetzen.
Wie sich ein Unterbiss bemerkbar machen kann
Das typische Merkmal ist, dass die unteren Schneidezähne beim Zubeißen vor den oberen liegen. Dies kann nur einen einzelnen Zahn, mehrere Schneidezähne oder einen größeren Teil des Frontzahnbereichs betreffen.
Je nach Ausprägung und Ursache können folgende Beschwerden oder Auffälligkeiten auftreten:
- Schwierigkeiten beim Abbeißen mit den Frontzähnen
- verändertes Kauen oder ungleichmäßige Zahnkontakte
- verstärkter Verschleiß oder Absplitterungen einzelner Frontzähne
- Reizung oder Rückgang des Zahnfleisches an ungünstig belasteten Zähnen
- Beschwerden der Kaumuskulatur oder Kiefergelenke bei manchen Patienten
- Sorgen hinsichtlich des Aussehens von Lächeln oder Gesichtsprofil
Das Aussehen des Profils ist für sich allein kein medizinisches Problem und Gesichtsformen unterscheiden sich natürlicherweise stark. Bei deutlicheren Kieferunterschieden kann jedoch ein stärker hervortretender Unterkiefer oder ein anderes Verhältnis zwischen mittlerem und unterem Gesichtsdrittel auffallen. Solche persönlichen ästhetischen Anliegen können ohne Wertung in die kieferorthopädische Planung einbezogen werden.
Häufige Ursachen eines Unterbisses
Fehlstellung einzelner Frontzähne
Manchmal ist das grundsätzliche Verhältnis der Kiefer ausgeglichen, während einzelne obere Schneidezähne hinter den unteren Zähnen durchbrechen oder nach hinten geneigt stehen. In diesem Fall liegt vor allem eine dentale Fehlstellung vor. Die möglichen Behandlungen unterscheiden sich deutlich von der Therapie einer ausgeprägten knöchernen Kieferdiskrepanz.
Funktionelle Vorverlagerung des Unterkiefers
Bei einigen Patienten entsteht beim ersten Zahnkontakt während des Mundschlusses eine Störung. Um mehr Zähne miteinander in Kontakt zu bringen, wird der Unterkiefer anschließend etwas nach vorne bewegt. Dadurch kann ein frontaler umgekehrter Biss entstehen, der äußerlich einer skelettalen Klasse III ähnelt, obwohl das zugrunde liegende Kieferverhältnis anders ist. Dies wird manchmal als funktionelle oder Pseudo-Klasse-III-Situation bezeichnet.
Skelettales Verhältnis von Ober- und Unterkiefer
Ein Unterbiss kann auch mit der Entwicklung der Kiefer zusammenhängen. Der Oberkiefer kann relativ weniger nach vorne entwickelt sein, der Unterkiefer relativ stärker hervortreten oder beide Faktoren können gleichzeitig vorhanden sein. Genetische Einflüsse spielen bei manchen Patienten eine Rolle, weshalb die Familiengeschichte bei der Untersuchung berücksichtigt wird.
Auch das Wachstum ist entscheidend. Ein Kind, dessen Kiefer noch wachsen, benötigt eine andere Beurteilung als ein erwachsener Patient nach Abschluss des Gesichtswachstums.
Wann ein Unterbiss untersucht werden sollte
Ein bereits länger bestehender Unterbiss ist normalerweise kein Notfall. Eine kieferorthopädische Untersuchung ist jedoch sinnvoll, wenn die Frontzähne dauerhaft in umgekehrter Stellung schließen, wenn Abbeißen oder Kauen erschwert sind, Zahnverschleiß entsteht oder Fragen zur weiteren Kieferentwicklung bestehen.
Bei Kindern ist die Untersuchung während des Wachstums besonders wichtig. Dabei kann unterschieden werden, ob die Auffälligkeit überwiegend dental, funktionell oder durch die sich entwickelnde Kieferrelation bedingt ist. Eine frühe Beurteilung bedeutet nicht, dass jedes Kind sofort behandelt werden muss. Je nach Befund kann zunächst eine Verlaufskontrolle sinnvoll sein oder eine Behandlung während des Wachstums erwogen werden.
Auch Erwachsene können nach Abschluss des Wachstums kieferorthopädisch untersucht werden. Die Planung orientiert sich dann an der bestehenden Zahnstellung, der ausgereiften Kieferrelation, der Mundgesundheit, der Funktion und den individuellen Behandlungszielen.
Verändert sich der Biss plötzlich nach einer Verletzung des Gesichts, lässt sich der Mund nicht normal öffnen oder schließen oder treten starke neue Schmerzen, deutliche Schwellungen oder Zeichen einer Zahninfektion auf, sollte die Situation zeitnah zahnärztlich oder medizinisch abgeklärt werden.
Wie ein Unterbiss diagnostiziert wird
Kieferorthopädische und funktionelle Untersuchung
Bei einer kieferorthopädischen Untersuchung werden Zahnstellung, Biss, Gesichtsproportionen, Kieferrelation und die Bewegung des Unterkiefers beim Schließen beurteilt. Die funktionelle Untersuchung ist besonders wichtig, wenn festgestellt werden soll, ob sich der Unterkiefer zwischen dem ersten Zahnkontakt und dem vollständigen Zusammenbeißen nach vorne verschiebt.
Zusätzlich werden häufig der Beginn der Auffälligkeit, ähnliche Kieferverhältnisse in der Familie, mögliche Schwierigkeiten beim Abbeißen oder Kauen sowie frühere kieferorthopädische Behandlungen erfragt.
Digitaler Scan und bildgebende Diagnostik
Ein digitaler Intraoralscan kann ein präzises dreidimensionales Modell der Zähne und des Bisses liefern. Klinische Fotos dokumentieren Zahnstellung und Gesichtsproportionen. Wenn medizinisch angezeigt, können Röntgenaufnahmen zur Beurteilung der Zahnentwicklung, der knöchernen Strukturen, der Kieferrelation und des Wachstums eingesetzt werden. Je nach Fragestellung kommen beispielsweise Panorama- oder kephalometrische Aufnahmen infrage. Nicht jeder Patient benötigt jede Aufnahme.
Ziel der Diagnostik ist nicht nur festzustellen, dass die unteren Zähne vor den oberen stehen. Entscheidend ist zu verstehen, warum der Unterbiss besteht, da davon die realistischen Behandlungsmöglichkeiten abhängen.
Was der nächste Schritt beinhalten kann
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Wachstum, Ausprägung und danach, ob die Ursache hauptsächlich dental, funktionell oder skelettal ist. Allein anhand des sichtbaren Bisses kann nicht entschieden werden, welches kieferorthopädische Gerät geeignet ist.
Bei einem lokal begrenzten dentalen Unterbiss kann eine gezielte Zahnbewegung ausreichen. Je nach Befund können feste Zahnspangen, herausnehmbare Geräte oder transparente Aligner infrage kommen.
Bei Kindern im Wachstum können in geeigneten Fällen Geräte eingesetzt werden, um funktionelle Störungen zu beseitigen oder die Entwicklung der Kieferrelation zu beeinflussen. Der richtige Zeitpunkt hängt vom individuellen Wachstum, der Zahnentwicklung und der Ursache der Fehlstellung ab.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen können Zahnspangen oder Aligner die Zahnstellung verändern und den Biss verbessern, wenn sich die Fehlstellung innerhalb der Grenzen kieferorthopädischer Zahnbewegungen korrigieren lässt. Eine ausgeprägte skelettale Diskrepanz lässt sich jedoch nicht in jedem Fall allein durch Zahnspangen oder Aligner beheben.
Bei deutlichen knöchernen Kieferunterschieden kann nach Abschluss des Wachstums eine interdisziplinäre Beurteilung durch Kieferorthopädie und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sinnvoll sein. Dabei wird geprüft, ob eine rein kieferorthopädische oder eine kombinierte Behandlung angemessen ist. Dies beschreibt einen allgemeinen medizinischen Behandlungsweg und bedeutet nicht, dass eine Kieferoperation als Leistung einer bestimmten ZagrebMed-Praxis bestätigt ist.
Bei ZagrebMed gehört die Beurteilung solcher Fehlstellungen zum Bereich der Bisskorrektur. Welcher Behandlungsweg sinnvoll ist, sollte erst nach der genauen Unterscheidung zwischen Zahnfehlstellung, funktioneller Verschiebung und skelettaler Kieferrelation entschieden werden.
Retention und Verlaufskontrolle nach der Behandlung
Das Ende der aktiven Zahnbewegung ist nicht immer das Ende einer kieferorthopädischen Behandlung. Zähne können sich nach einer Korrektur erneut verschieben. Bei Kindern und Jugendlichen können zusätzlich weitere wachstumsbedingte Veränderungen auftreten.
Retainer und Kontrolltermine werden deshalb üblicherweise eingesetzt, um die erreichte Zahnstellung zu stabilisieren und Veränderungen früh zu erkennen. Art und Tragedauer des Retainers sowie die Häufigkeit der Kontrollen richten sich nach der Behandlung und dem individuellen Rückfallrisiko. Bei Patienten im Wachstum kann außerdem eine längerfristige Beobachtung der Kieferentwicklung erforderlich sein.
Was vor einem Termin vorbereitet werden sollte
Für eine kieferorthopädische Untersuchung oder eine Anfrage bei ZagrebMed sind folgende Angaben hilfreich:
- Alter des Patienten und ob noch Wachstum zu erwarten ist
- seit wann der Unterbiss sichtbar ist
- ob ein einzelner Zahn oder mehrere Frontzähne betroffen sind
- Probleme beim Abbeißen oder Kauen, Zahnverschleiß oder Kieferbeschwerden
- frühere kieferorthopädische Behandlungen oder Verletzungen von Zähnen und Kiefer
- vorhandene Röntgenbilder, Scans oder kieferorthopädische Befunde
- ähnliche Biss- oder Kieferverhältnisse in der Familie
- welche Frage geklärt werden soll, zum Beispiel Funktion, Behandlungsmöglichkeiten oder Kieferrelation
Wenn ein Unterbiss dauerhaft besteht, sich während des Wachstums entwickelt oder die Funktion beeinträchtigt, können Sie ZagrebMed eine kurze Beschreibung und vorhandene zahnmedizinische Unterlagen senden. ZagrebMed kann dabei helfen, die Anfrage einer passenden kieferorthopädischen Abklärung und dem nächsten sinnvollen Schritt in Zagreb zuzuordnen.